BSE bei den Seefestspielen Mörbisch

Am 13. Juni 2025 hatten sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ESB Academy die Gelegenheit, einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen der Seefestspiele
Mörbisch zu erhalten. Die Führung über das Gelände erfolgte durch den Festspieldirektor Dietmar Posteiner persönlich, der mit großer Authentizität,
spürbarem Herzblut und zahlreichen Insiderinformationen begeisterte. Seine sympathische Art und seine spürbare Verbundenheit mit dem Festival machten die
Besichtigung zu einem besonders eindrucksvollen Erlebnis.

Bereits während der Führung konnten wir die laufenden Proben zum diesjährigen Stück Saturday Night Fever auf der Zuschauertribüne verfolgen. Die Generalprobe der Produktion findet heute (Dienstag, 8. Juli) statt, die Premiere ist für den 10. Juli 2025 angesetzt. Seit etwa zwei Wochen finden die Proben vor Ort in Mörbisch statt, nachdem sie zuvor in Wien vorbereitet wurden. Am Wochenende vor unserem Besuch war das Gelände auch Schauplatz der bekannten „Starnacht“-Veranstaltung. Erste Teile des Bühnenbilds waren bereits sichtbar, jedoch wird das vollständige Bühnenbild erst zur Generalprobe präsentiert.

Ein besonders spannender Teil der Führung war die Rückschau auf die Geschichte der Seefestspiele. Gegründet wurden sie im Jahr 1957 – ursprünglich war der Ort
Rust als Standort vorgesehen. Politische Entscheidungen führten jedoch zur Ansiedlung in Mörbisch. In den ersten Jahrzehnten konzentrierte sich Mörbisch
ausschließlich auf Operetten, insbesondere unter dem langjährigen Intendanten Harald Serafin, der die Marke „Mörbisch“ stark prägte. Seit einigen Jahren öffnet sich das Programm zunehmend auch dem Genre Musical. Im Jahr 2021 wurde mit West Side Story erstmals versucht, eine Brücke zwischen klassischer Operette und
Musical zu schlagen.

Der heutige Intendant Alfons Haider hatte sich bereits zehn Jahre zuvor um die Position beworben, jedoch damals mit der Aussage, er „spiele Musicals“, nicht
überzeugen können. Bei seiner Bewerbung wurde er zudem gefragt, welches Musical er auf die Bühne bringen würde – seine Antwort: The King and I. Dieses
Stück wurde schließlich 2022 in Mörbisch aufgeführt, konnte jedoch nur mäßigenErfolg verzeichnen. Im darauffolgenden Jahr gelang mit der Inszenierung von
Mamma Mia ein großer Publikumserfolg mit einer Auslastung von 99 %. Festspieldirektor Posteiner erzählte bei der Führung offen von seiner eigenen
Begeisterung für ABBA.

Besonders aufschlussreich war die Darstellung der strategischen Überlegungen nach dem überraschenden Intendantenwechsel. Eine umfassende Zielgruppenanalyse zeigte: Menschen besuchen die Seefestspiele Mörbisch nicht in erster Linie wegen der Operette, sondern aus einer Kombination verschiedener Beweggründe. Die Beliebtheit des Burgenlandes, die pannonische Atmosphäre, Kulinarik, die Nähe zu Wien sowie gesellschaftliche Aspekte stehen bei den Besuchsgründen klar im Vordergrund. Die Operette wurde in der Analyse erst an fünfter Stelle genannt, Harald Serafin an zwölfter. Diese Erkenntnisse führten zu einer Neuausrichtung der Markenstrategie: Nicht nur das Programm, sondern auch das Marketing wurde auf die Bedürfnisse und Erwartungen des Publikums abgestimmt. Die Marketingagentur Panmedia unterstützt die Seefestspiele bei der Zielgruppenforschung.

Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Führung lag auf dem Vergleich zwischen Operette und Musical. Während Operetten deutlich günstiger in der Produktion sind – unter anderem, weil nach Ablauf von 70 Jahren keine Urheberrechtskosten mehr anfallen – erfordern Musicals einen wesentlich höheren finanziellen und
organisatorischen Aufwand. Die Rechte an einem Musical müssen oft über Jahre hinweg mit Theaterverlagen und Lizenzgebern wie Stage Entertainment verhandelt
werden. Auch kleinste Details, wie z. B. das Erscheinungsbild eines Plakats, müssen genehmigt werden. So durften bei Mamma Mia anfangs nicht einmal die typisch rosa Blumen auf dem Werbeplakat zu sehen sein.

Die Vorbereitungszeit einer Produktion beträgt in der Regel rund zwei Jahre. Die Größe der Ensembles unterscheidet sich ebenfalls deutlich: Während eine
Musicalproduktion rund 45 Mitwirkende auf der Bühne erfordert, sind es bei einer klassischen Operette meist weniger. Die Höhe des Budgets ist neben der
Ensemblegröße auch stark von der Komplexität der Bühnenbilder und Kostüme abhängig. Die Kulisse für Saturday Night Fever beläuft sich beispielsweise auf rund
1,4 Millionen Euro. Teile der Grundkonstruktion werden mehrfach verwendet. Die Kulissenelemente müssen manuell verschoben werden und dabei
Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h standhalten.

Ein besonderes technisches Highlight der Führung war die Besichtigung des Orchestergrabens. Dieser wurde 2012 neu errichtet und dient in der spielfreien Zeit
auch für Tonaufnahmen, etwa für CD-Produktionen. Aufgrund der offenen Bauweise des Zuschauerraums ohne Decke und feste Wände wird ein spezielles
Raumklangsystem verwendet. Dieses ermöglicht eine hochwertige elektroakustische Simulation, die den Klang für das Publikum optimiert. Der Dirigent steht über
Kamera- und Bildschirmsysteme in direkter Verbindung mit der Bühne und der Technik. Auch die Schauspielerinnen und Schauspieler müssen bei ihren
Bewegungen genau auf ihre Position achten, da die Bühne in Tonzonen eingeteilt ist, um eine gleichbleibende Klangqualität zu gewährleisten.
Sicherheitsaspekte spielen bei einem Open-Air-Festival eine zentrale Rolle. Bei drohender Schlechtwetterlage beraten sich ein Meteorologe, der technische Leiter
und der Festspieldirektor über einen möglichen Abbruch oder die Fortsetzung der Aufführung. Es besteht eine spezielle Veranstaltungsausfallversicherung, die bei
Regen, Hagel, Gewitter oder Unzugänglichkeit des Geländes greift. Nach dem jüngsten Umbau können im Notfall bis zu 6.000 Gäste unter Dach gebracht werden.
Die Gastronomie vor Ort wird von der Firma Food Affairs / Eurest betrieben. Ein weiteres spannendes Detail: Die Spielzeiten variieren im Juli und August leicht,
da der Beginn der Dämmerung eine wichtige Rolle für die Lichtinszenierung spielt. Das einzigartige Zusammenspiel von See, Bühne und Licht entfaltet sich erst bei
Einbruch der Dunkelheit vollständig.

Vielen Dank an den Festspieldirektor Posteiner für seine Zeit und die außergewöhnlich spannenden und ehrlichen Einblicke. Die Seefestspiele Mörbisch bieten nicht nur ein hochkarätiges Kulturprogramm, sondern auch ein einmaliges Gesamterlebnis, bei dem Kultur, Natur und Technik auf faszinierende Weise miteinander verschmelzen. Die Kombination aus See-Kulisse, professioneller Inszenierung und strategischer Markenführung macht die Seefestspiele zu einem kulturellen und touristischen Highlight im Osten Österreichs.

Verfasserin: Ursula Steiger – Böcskör

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