BSE im ORF Radiokulturhaus
Zum Gebäude: Wir wurden von den Mitarbeiterinnen Gudrun Reisacher und Rania Moslam beim unübersehbaren Kunstwerk „Ohr“, also beim Eingang zum ORF RadioKulturhaus empfangen. Das Gebäude wurde in den 1930er-Jahren von der damaligen RAVAG errichtet und galt 1939 als das modernste Funkhaus Europas. Heute befindet sich ein Teil des Gebäudes in Privatbesitz – im Zuge des Umzugs der meisten Studios und Redaktionen auf den Küniglberg wurde ein Teil zu Wohnungen umgebaut. Der gesamte Komplex steht jedoch heute unter Denkmalschutz.
Zur Institution: Das RadioKulturhaus gehört dem ORF, der seinem öffentlich-rechtlichen Kulturauftrag verpflichtet ist – entsprechend werden auch die Veranstaltungen konzipiert. Das Haus umfasst einen Großen Sendesaal, mehrere Studios, das Radiocafé sowie das Radio-Symphonieorchester Wien (RSO), das dort seinen Sitz hat. Das RSO nutzt den Sendesaal häufig für Proben am Vormittag, wodurch für Abendveranstaltungen oft umfangreiche Bühnenumbauten erforderlich sind. Im Radiocafé finden zudem Pressekonferenzen und Gesprächsformate statt. Besonders hervorzuheben sind die bestens ausgestatteten Tonstudios, in denen vor allem Ö1 zahlreiche Sendungen produziert hat, darunter auch beliebte Hörspiele.
Räumlichkeiten: Unsere Führung begann im Großen Sendesaal, dem größten Veranstaltungssaal des Hauses. Besonders auffällig sind dort die außergewöhnlich bequemen Ledersessel: Sie wurden so konzipiert, dass die Akustik unabhängig davon gleichbleibt, ob der Saal leer oder voll besetzt ist. Aus diesem Grund gibt es auch keine Klappsessel, da deren Geräusche bei Aufnahmen störend wären. Die großzügig gestalteten Sitze begrenzen die Kapazität allerdings auf rund 280 Plätze. Zudem verfügt der Saal über eine Orgel. Neben dem Großen Sendesaal besichtigten wir auch mehrere Nebenräume, darunter ein Hörspielstudio, ein Videostreamingstudio sowie ein Tonstudio. Darüber hinaus konnten wir die großen Studios 2 und 3 kennenlernen, die teilweise ebenso für Veranstaltungen und professionelle Aufnahmen genutzt werden.
Zum Team: Für das Programm und dessen Umsetzung sind zwei Dramaturginnen verantwortlich. Jährlich organisieren sie rund 280 Veranstaltungen, die großteils öffentlich sind und wofür Tickets verkauft werden. Unterstützt werden sie dabei von einem Team aus weiteren neun Mitarbeitenden, die in den Bereichen Administration und Technik tätig sind.
Zum Programm: Das Haus bietet Konzerte unterschiedlichster Genres auf durchgehend hohem Niveau – oberstes Ziel ist dabei, dass jede Produktion sendefähig ist. Sämtliche Veranstaltungen werden aufgezeichnet, zumindest per Audioaufnahme, häufig auch mit Kameras. Ein zentraler Aspekt ist die gleichzeitige Content-Produktion für den ORF. So wurde zuletzt etwa eine umfangreiche Produktion über 70 Jahre Eurovision Song Contest dort realisiert und im Fernsehen ausgestrahlt. Darüber hinaus sind auch nicht-öffentliche Aufnahmen (z. B. CD-Einspielungen) und Vermietungen der Räume möglich, etwa im Rahmen von Kooperationen mit Festivals, bei denen die Einnahmen entsprechend geteilt werden.
Zur Technik: Im technischen Bereich arbeitet das Haus überwiegend mit eigenem Personal und greift auf die exklusive ORF-Technik zurück. Im Großen Sendesaal stehen zudem Remotekameras für Livestreams zur Verfügung. Für externe bzw. private Produktionen können professionelle Aufnahmeleiter:innen des ORF hinzugebucht werden.
Verfasserin & Bilder: Martina Montanari












