BSE im MuTh – Musik & Theater am Augartenspitz

Ein Blick hinter die Kulissen eines modernen Kulturhauses

Am 9. Juni 2026 hatten wir im Rahmen unserer Ausbildung an der ESB Academy die Gelegenheit, das MuTh – Musik & Theater am Augartenspitz im 2. Wiener Gemeindebezirk bei einer exklusiven Führung kennenzulernen. Begleitet wurden wir von Otto Jankovich, dem Produktionsleiter des Hauses, der uns einen spannenden Einblick in die Geschichte, Architektur und die technischen Besonderheiten dieser außergewöhnlichen Veranstaltungsstätte gewährte.

Das MuTh wurde im Jahr 2012 eröffnet und gilt als erster neu errichteter Konzertsaal in Wien seit rund 100 Jahren. Direkt neben dem historischen Palais Augarten gelegen, verbindet das Gebäude auf besondere Weise Tradition und Moderne. Errichtet wurde es auf dem Gelände des ehemaligen Pförtnerhauses, dessen denkmalgeschützte Mauern bis heute erhalten geblieben sind. Eigentümer des Hauses sind die Wiener Sängerknaben, deren Geschichte bis ins Jahr 1498 zurückreicht und die bis heute zu den bekanntesten kulturellen Botschaftern Österreichs zählen.

Während der Führung erhielten wir Zugang zu allen Bereichen des Hauses. Neben dem Zuschauerraum und der Bühne konnten wir auch die Künstlergarderoben, Technikräume, Backstage-Bereiche sowie die Produktions- und Logistikflächen besichtigen. Besonders beeindruckend war der Blick hinter die sonst verborgenen Bereiche über der Bühne. Dort wurde deutlich, wie viele technische Abläufe und organisatorische Prozesse notwendig sind, damit eine Veranstaltung für das Publikum reibungslos umgesetzt werden kann.

Der Veranstaltungssaal bietet Platz für 413 Besucherinnen und Besucher und überzeugt trotz seiner Größe durch eine angenehme und intime Atmosphäre. Besonderes Augenmerk wurde bei der Planung auf die Akustik gelegt. Die offene Architektur mit ihren gezielten Winkeln und Kanten schafft gemeinsam mit den ausgeklügelten raumakustischen Maßnahmen optimale Klangbedingungen. Selbst die Bestuhlung wurde so konzipiert, dass sich die Akustik möglichst unabhängig von der Anzahl der anwesenden Gäste verhält.

Auch technisch ist das MuTh hervorragend ausgestattet. Moderne Projektionstechnik mit 4K-Beamer, eine leistungsstarke Surround-Sound-Anlage, professionelle Aufzeichnungsmöglichkeiten sowie eine flexibel nutzbare Bühne ermöglichen die Umsetzung unterschiedlichster Veranstaltungsformate. Neben klassischen Konzerten finden hier Theateraufführungen, Filmvorführungen, Vorträge und Feiern statt.

Besonders interessant war das nachhaltige Lüftungskonzept des Hauses. Anstelle einer herkömmlichen Klimaanlage setzt das MuTh auf ein Frischluftsystem, das mit Brunnenwasser arbeitet. Die Luft wird über zahlreiche Düsen im Gebäude verteilt und innerhalb von 7 Minuten vollständig ausgetauscht. Dadurch entsteht nicht nur ein angenehmes Raumklima, sondern auch eine Umgebung, die Stimmen, Musikinstrumente und die Akustik des Saales optimal unterstützt.

Heute zählt das MuTh zu den bedeutenden Kulturhäusern Wiens. Pro Saison finden hier mehr als 300 Veranstaltungen mit rund 10.000 Künstlerinnen und Künstlern statt. Jährlich besuchen etwa 70.000 Gäste das Haus, wobei an manchen Tagen mehrere Vorstellungen hintereinander durchgeführt werden.

Ein interessanter Fact, den wir während der Führung erfahren haben: Das MuTh befindet sich im geografischen Mittelpunkt Wiens. Angesichts der historischen Bedeutung des Standorts rund um das Palais Augarten erscheint dies beinahe symbolisch.

Die Führung hat eindrucksvoll gezeigt, wie viel Planung, Organisation und technisches Know-how hinter dem Betrieb eines modernen Kulturhauses stehen. Von der traditionsreichen Geschichte der Wiener Sängerknaben über die architektonischen Besonderheiten bis hin zu den komplexen technischen Einrichtungen erhielten wir einen umfassenden Einblick in die vielfältigen Aufgaben hinter den Kulissen.

Ein herzliches Dankeschön an Otto Jankovich, der sich die Zeit genommen hat, uns das MuTh aus der Perspektive der Produktionsleitung näherzubringen und uns einen umfassenden Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen.

Verfasserin & Bilder: Maya Luger

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