BSE im Wiener Musikverein

Wir treffen uns um 18 Uhr bei der Künstlereingang des Wiener Musikverein in der Bösendorfer Straße und warten neugierig auf Martina Montanari, erfahrene Eventmanagerin des Wiener Musikvereins und Mitstudierende an der ESB Academy. Unser Weg führt in dem patinierten Foyer, wo Martina uns über ihre Stelle erzählt. Sie ist für Eventorganisation und Saalvermietung für externen Events im Haus zuständig. Die Führung mit Martina bat nicht nur spannende Informationen für uns Eventmanager:innen, sondern auch einige interessante historische Details.

Die Geschichte des Wiener Musikverein fängt im 19. Jahrhundert an, wobei die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien sich ein Konzertgebäude am vorigen Ort der Stadtmauer, in der neuen Ringstraßenzone bauen gelassen hat. Das Haus, mit ursprünglich zwei Konzertsälen, wurde im 21. Jahrhundert im Kellerbereich, 18 Metern unter der Erde, mit weiteren kleineren Sälen für externe Veranstaltungen wie Konferenzen, Cocktail-Abende, Panel-Diskussionen, Vorträge, Kleinkonzerte und Proben verbreitet. 

Zuerst schauen wir den Steinernen Saal an, dann folgt unser Weg unterirdisch zu den Gläsernen und Metallenen Saal. Alle drei Säle sind in modernen Stil gebaut und ausgestattet.

Der Gläserne Saal ist ein multifunktioneller Raum mit einer variablen Bühne, wo, trotz des traditionellen Profils des Musikvereins, auch moderne, zeitgenössische Uraufführungen stattfinden. So öffnet sich das Haus für ein neues Publikum, erklärt uns Martina. Aber hier hat das Gesamtteam sein Weihnachtsfeier jedes Jahr auch.

Der Metallene Saal ist perfekt für Filmdrehungen und Tonaufnahmen wegen seiner Akustik. Somit werden hier TU-Experimente über Ton durchgeführt, aber lockere Events wie Kinderkonzerte mit Sitzkissen sind auch möglich in den Räumlichkeiten. Die Miete aller drei Sälen inkludiert ihre Ausstattung, wie Stühle, Tische, Podien und Klaviere.

Im Treppenhaus zum oberen Geschoss, erzählt uns Martina, dass die Gebäude sehr oft als Location gebucht wird. Das Haus ist alt, was sowohl Nach- als auch Vorteile hat. Nachteile sind meistens die starken Regeln worauf man als Mieter achten muss, was aber von Vorteilen wie Ambient und Prestige natürlich überwindet ist. Im Musikverein finden zirka 1000 Veranstaltungen pro Jahr statt. Das bedeutet oft 3 Konzerte pro Tag, dessen Hälfte eingemietet sind. Die Veranstaltungen sind immer für das Publikum geöffnet, weil das Musikverein keine staatliche Institution ist. Es ist von seinem Verein, von Spenden und von Kartenverkauf betrieben. Das weltberühmte Neujahrkonzert ist auch eine eingemietete Veranstaltung von der Wiener Philharmoniker.

Neben sein „Konkurrenz“ das Wiener Konzerthaus bleibt das Musikverein auf einer konservativen Schiene und pflegt die Tradition der klassischen Musik auf höchste Qualität. 90% seines Publikums besteht aus Ausländern. 

Als wir das obere Geschoss erreichen stellt uns Martina die zwei originalen Säle des Musikvereins vor: den Brahms- Saal mit 600 Plätze und den Große-Saal mit 2000 Plätze.

Der Große-Saal wurde in der Zeit von Johann Strauß eröffnet, so hat es bis heute ein Strauß-lästiges Programm. Konzerte werden oft parallel in Großer- und Brahms-Saal organisiert, was von der guten Isolation der Gebäude erlaubt ist. Zwischen den zwei Räumen gibt es Logen für prominente Gäste und Büros für die Hausleitung. Der Große-Saal hat unvergleichbare Akustik. Die Decke, das Boden und die Bühne sind alle aus Holz gebaut, so ähnelt sich der Saal zu einem Geigenkörper und schenkt ein ganz besondere Tonerlebnis.  Man braucht hier kein Tontechnik. Die Bühne ist nicht verstellbar und die Bestuhlung wird auch nur bei den großen Bällen weggebaut.  In diesem Raum werden sehr selten Veranstaltungen mit großer, moderner technischer Ausrüstung organisiert.

Im Großer-Saal werden Karten auch für Stehplätze, sowie Plätze hinter der Orgel verkauft, wo trotz fehlender Sicht, sich der beste Ton im Raum versteckt. 

Im Wiener Musikverein wird jeder Raum und Zeitfenster für Proben und Konzerte genützt. Neben langfristigen Vorplanungen hat Martina und ihr Team wöchentliche Sitzungen um die Koordination von Einteilungen und Planänderungen zu besprechen.

Heute Abend spielt der Schlosskapelle. Als wir das Foyer wieder erreichen, stellt sich schon eine Schlange von Besucher*innen vor dem Eingang.

Ein herzliches Dankeschön an Martina für ihre Zeit und diese tollen Einblicke in den Wiener Musikverein!

Verfasserin & Bilder: Dora Wohner

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