BSE beim Nova Rock Festival

Das Wetter zeigte sich ganz in Nova-Rock-Manier und bot von Regen bis Sonnenschein alles. Zwischen den Stages trafen wir Gerold „Haubi“ Haubner von Barracuda Music, der uns mit zahlreichen Geschichten und Einblicken aus vielen Jahren in der Veranstaltungs- und Musikbranche empfing.
Haubi ist eine einzigartige Persönlichkeit: direkt, authentisch und mit einer Aura, die eine angenehme Lässigkeit ausstrahlt. Hinter seiner lockeren Art steckt geballtes Wissen. Man merkt schnell, dass ihn nach so vielen Jahren im Festivalgeschäft kaum noch etwas aus der Ruhe bringt. Im Gespräch nahm er uns mit durch die Geschichte des Nova Rock und erzählte davon, wie sich das Festivalgelände und die Anforderungen im Laufe der Jahre entwickelt haben.
Besonders eindrucksvoll war, wie viel Infrastruktur für wenige Festivaltage geschaffen werden muss. Das Gelände in Nickelsdorf befindet sich sowohl in einem Natur- als auch in einem Wasserschutzgebiet. Dementsprechend streng sind die Vorgaben, die bei der Planung und Durchführung eingehalten werden müssen. Gleichzeitig entsteht dort jedes Jahr vorübergehend eine Infrastruktur, die mit jener einer kleinen Stadt vergleichbar ist.
Der Aufbau dauert rund zwei Wochen, für den Abbau wird eine weitere Woche benötigt. Bereits davor werden Wege stabilisiert und geschottert, damit das Gelände auch bei starkem Regen befahrbar bleibt. Für unterschiedliche Wetterlagen, Sturmwarnungen und mögliche Räumungen gibt es genaue Pläne, die gemeinsam mit Behörden und Einsatzkräften vorbereitet werden. Haubi betonte, dass man sich so auf ein Festival vorbereiten müsse, dass es unter möglichst vielen Bedingungen durchgeführt werden kann.
Auch der Umgang mit Abwasser und Ressourcen spielt auf dem Gelände eine wichtige Rolle. Durch ein neues Filtersystem kann das Abwasser bereits vor Ort aufbereitet werden. Dadurch werden weniger Transporte benötigt, was wiederum den organisatorischen Aufwand und die Umweltbelastung reduziert.
Ein weiterer Schwerpunkt unseres Gesprächs war die Vermarktung eines Festivals. Trotz Social Media bleiben klassische Werbeformen für Haubi relevant. Entscheidend sei ein guter Mix aus digitaler Kommunikation, Plakaten, Radio, Medienpartnerschaften und weiteren Maßnahmen. Dabei müsse man vor allem die eigene Zielgruppe kennen und verstehen, über welche Kanäle sie tatsächlich erreicht werden kann. Nicht jede neue Plattform sei automatisch für jede Veranstaltung sinnvoll.
Danach ging es für uns in den eigentlichen Backstage-Bereich. Da auf drei Bühnen täglich mehr als 25 Acts auftreten, müssen zeitweise mehrere Hundert Künstler:innen und Crewmitglieder gleichzeitig untergebracht und betreut werden. Obwohl das Festivalgelände riesig wirkt, ist der Platz hinter den Bühnen begrenzt.
In einer großen Halle wurden mit Messebauwänden einzelne Garderoben und Aufenthaltsräume geschaffen. Diese Bereiche sollen für die Bands vor allem Rückzugsorte sein. Viele Artists sind über Wochen oder Monate unterwegs und verbringen einen großen Teil dieser Zeit im Tourbus. Daher wird versucht, die Räume möglichst angenehm und wohnlich zu gestalten.
Neben Sitzbereichen gab es auch eine Nintendo Switch, einen Iron-Maiden-Flipper und weitere kleine Unterhaltungsmöglichkeiten. Trotzdem steht nicht das Feiern im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, sich auszuruhen, aufzuwärmen oder vor dem nächsten Auftritt kurz zurückzuziehen.
Eine besondere Herausforderung ist die Logistik rund um Tourbusse und Trucks. Die Fahrzeuge benötigen ausreichend Platz sowie Strom- und Wasseranschlüsse. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass sie auch bei schlechtem Wetter wieder abfahren können. Verzögert sich die Abreise einer Band, kann das schnell Auswirkungen auf die Ankunft der nächsten haben. Hinzu kommen gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten der Fahrer:innen, während derer die Fahrzeuge nicht bewegt werden dürfen.
Auch das Artist Catering muss unterschiedlichste Ernährungsformen, Allergien und Unverträglichkeiten berücksichtigen. Manche Bands reisen zusätzlich mit einem eigenen Koch an. In diesem Fall werden eigene Arbeitsbereiche, Kühlschränke und Abwaschmöglichkeiten vorbereitet und die gewünschten Lebensmittel im Vorfeld besorgt.
Ein weiteres Detail, an das man als Festivalbesucher:in vermutlich kaum denkt, ist der mobile Wäscheservice. Bands, die lange auf Tour sind, können dort ihre Wäsche abgeben und später frisch gewaschen wieder abholen.
Die grundlegende Planung des Backstage-Bereichs wird im Vorfeld von einem sehr kleinen Team übernommen. Kurz vor und während des Festivals wächst dieses durch zahlreiche Mitarbeiter:innen und Freelancer:innen. Jede Band bekommt außerdem eine Artist-Care-Person als direkte Ansprechperson zur Seite gestellt.
Unser Besuch hat gezeigt, wie viele unterschiedliche Bereiche im Hintergrund zusammenspielen müssen, damit das Festival für die Besucher:innen reibungslos funktioniert. Hinter jeder Bühne, jedem Auftritt und jedem Tourbus stehen monatelange Vorbereitung, unzählige Absprachen und sehr viel Erfahrung.
Ein großes Dankeschön an Barracuda Music, das gesamte Nova-Rock-Team und besonders an Gerold „Haubi“ Haubner für die offenen, ehrlichen und unterhaltsamen Einblicke hinter die Kulissen.

Verfasserin & Bilder: Sofia Hollunder

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